Wien-Donau

Gegründet am Donnerstag, 12. April 1973
Club 11924 - Distrikt 1910 - Charter-Nr

Gründungsdatum: 12.04.1973
Charterdatum: 06.10.1973
Patenclub: RC Wien-Nordost
Gründungsbeauftragter: PDG Paul Mailáth-Pokorny
Patenschaft: RAC Wien-Hofburg -St. Stephan RC Budapest-Duna RC Ljubljana-Emona
Pastgovernors: Ernst Rudolf Ragg + (1992/93), Rudolf Otto + (2003/04), Melitta Becker-Unger (2019/20)



I. RC Wien-Donau: Ansichten und Einsichten eines Gründungsmitgliedes.

Von Milan Turkovic, 5 April 2018

Bamberg (Franken) in den Sechziger-Jahren. Ich habe mir als zugezogener musizierender Jüngling etwa einmal im Monat geleistet, die von mir Angebetete in das damals vornehmste Restaurant der Stadt einzuladen. Dort nahm ich das am Eingang prangende rotarische Rad wahr. Irgendwann begegnete ich auch erstmals städtischen Würdenträgern, die mit vornehmlich ernsten Mienen ihrem geheimnisvollen Treffen zustrebten. Die Szene wirkte auf mich sehr elitär und ferne meiner Sphäre.

Ende 1971 - ich war inzwischen nach Wien zurückgekehrt - rief die befreundete Familie von Baumeister Schulz aus Gattendorf an. Fredi Schulz sagte, er wäre an der Gründung eines neuen Rotary-Clubs beteiligt und schlug vor, ich möge mit dabei sein. Ich war im Gründungsjahr 1972 mit 33 Jahren der Club-Bambino und staunte beim ersten Kennenlernen im Lusthaus im Prater über die ungezwungene und von Anbeginn fast familiäre Atmosphäre. Mein Klischee von Rotary war ja anders gewesen, siehe oben.

Die Ungezwungenheit sollte sich im ersten ständigen Clublokal auf betont unelitäre Weise fortsetzten. Wir verbannten uns sozusagen selbst nach Schwechat und entschlüpften so dem Unmut der etablierten Wiener RC-Gemeinde, die uns zunächst überhaupt nicht im Weichbild der Stadt haben wollte. Oft zitiert und dennoch immer wieder erwähnenswert ist unsere erste Mitgliederliste: verteilt auf das Burgenland und Niederösterreich errangen wir per Briefkastenadressen unsere Legitimität. Ich war dabei flugs aus dem ersten Bezirk nach Gattendorf "gebeamt" worden. Inwieweit die gegenüber uns erwiesene Resilienz der hauptstädtischen Freunde auf den Prinzipien der Vier-Fragen-Probe fußte, war damals schon der Diskussion wert. Aber, Schwamm drüber! Das ist nur noch uralter Stoff für rotarische Kuriositätensammlungen. Und: wenn die Donau noch immer im Wesentlichen an Wien vorbei fließt, so ist es hingegen eine schöne Tatsache, dass der RC Wien-Donau seit Jahrzehnten im Zentrum unserer schönen Stadt etabliert ist, blüht, gedeiht und ein reges Miteinander rotarischer Freundschaft und Aktivität innerhalb und weit ausserhalb des klubeigenen Radius pflegt.

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II. Brief des Gründungsmitgliedes Fritz Ohnmacht vom 5 April 2018:

Am Anfang stand der Wunsch von Diplom-Kaufmann Paul MAILATH-POKORNY, Präsident von RC Wien Nordost 1972/73, einen weiteren Rotaryclub zu gründen.

Zu dieser Zeit gab es in Wien aber die bestehenden fünf Clubs und die waren dagegen: "Wozu braucht Wien noch einen Club? Das kommt nicht in Frage."

Aber Paul MAILATH-POKORNY blieb zäh. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss-"Randclub" namens Wien Schwechat, wobei die Hälfte der Mitglieder aus Niederösterreich oder dem Burgenland sein sollten oder müssten. So wurden wir am 12. 04.1973 gegründet. Die Charterfeier war dann am 6.10.1973. Entsprechend war unser Clublokal auch nicht im Zentrum von Wien. Unser Clublokal, das Lusthaus war somit weit genug im Osten. Ich selbst wurde von meinem Freund Josef (Josi) Thun-Hohenstein, Diplom-Kaufmann aus Kärnten, als Mitglied vorgeschlagen. So fand am 12. April 1973 die Gründungsversammlung statt. Wir waren nun Freunde!

Die Urkunde befindet sich im Diana Keller in Wien zu Händen des Unterzeichnenden. Im Jahr 1974/75 war unser Freund Geiserich Tichy Präsident. Er hat dann in mühsamen Verhandlungen - auch mit Unterstützung vom RC Zürich - durchgesetzt, dass wir unseren Wunschnamen RC Wien Donau annehmen können.

Selbstverständlich mussten unsere Meetings auch von Zeit zu Zeit außerhalb von Wien stattfinden, und so fanden solche in Bruck an der Leitha und einmal pro Monat im Sommer in Fischamend statt. Aber das war akzeptabel.

1976 übersiedelten wir dann in den Landstrassenhof im 3. Bezirk, wobei wir dort gleich als Vortragenden Otto von Habsburg gewinnen konnten (Denkwürdig!) Ich habe diese Begegnung noch heute in sehr guter Erinnerung.

Gez. Fritz Ohnmacht, Gründungsmitglied

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III Rotary Wien-Donau  - einige Erinnerungen vom Gründungsmitglied Stefan Hübner

Zu unserer Clubgeburt, die Fritz Ohnmacht anschaulich beschreibt, möchte ich noch Alfred Schulz aus Gattendorf erwähnen, der damals tatkräftig mithalf, die diffuse Clubgründung auf Schiene zu bringen.

Joschi Thun-Hohenstein machte sich wiederum sehr bald mit seiner liebevollenDynamik bei der Knüpfung von Freundschaften zu unseren späteren Kontaktclubs Köln-Römerturm, Gstaad und Milano-Est verdient.Wie auch später Peter Tomisek die Freundschaft zu Budapest-Duna anbahnte.

Köln-Römerturm und Wien-Donau schlossen sich gegenseitig ins Herz. Es gab damals keine Reisen der beiden Clubs, an denen nicht Freunde des Partnerclubs teilnahmen. Eine meine schönsten Reiseerinnerungen war eine Nacht im Sand der Wüste Tamanrasset in Algerien.

Es gab früher auch viel mehr Auswärtspräsenzen, deren Berichte unsere Clubabende bereicherten. Meine kurioseste Präsenz erlebte ich in Lagos, wo ich, aus Wien und Salzburg kommend, gezwungen wurde, ein Lied zu singen.

Die Krankenstation Barticesti, Moldau, Rumänien, war 1995 ein herausragendes Projekt, das wir finanziell und planerisch mittrugen. Den Initiatoren, Andreas und Monika Konradsheim, trug dies beiden die Paul Harris Auszeichnung ein.

Auf unserer Einladungskarte zum 20-jährigen Charterjubiläum waren die damals 59 Freunde als Einladende im Hintergrund abgebildet.Daraus entstand der handliche, bebilderte Falter, der 12 Jahre lang in dem wachsenden Club den alten Mitgliedern zu Hilfe kam, die neuen einzuordnen, und umgekehrt. Im Zug der digitalen Zeit hat sich dieser ,,Schummler" erübrigt.Ich bin schon neugierig, ob unserem Herrenclub dieses Zeitschicksal erspart bleibt.

Stefan Hübner

Gründungsmitglied

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KURZER HISTORISCHER RÜCKBLICK AUF DAS FREUNDSCHAFTSVERHÄLTNIS ZU RC BUDAPEST-DUNA
(gemeinsames Meeting am 2.Juni 2021)

Ich bin sehr glücklich, dass wir nach 5 Jahren Pause - das letzte gemeinsam Treffen war bei der sehr eindrucksvollen 25-jährigen Charter von Budapest-Duna 2016 - wieder eine Gelegenheit gefunden haben, einander zu treffen. Leider derzeit nur digital, jedoch soll dies der erste Schritt sein, unsere 31- jährige Freundschaft wieder aktiver zu gestalten.

Als Einführung für alle Freunde, die diese Zeit nicht oder nicht zur Gänze miterlebt haben, möchte ich gerne einen kurzen historischen Rückblick geben. Dafür muss ich ins Jahr 1989 rückblenden - eine sehr interessante und aufregende Zeit. Die politischen Strukturen in Osteuropa haben sich komplett geändert. Mehr als 40 Jahre Herrschaft des Sowjet-Kommunismus in Osteuropa sind in wenigen Monaten verschwunden und plötzlich hat es wieder demokratische Strukturen gegeben. Ungarn war führend in diesem Umwandlungsprozess und immer einen Schritt voraus. Ich erinnere mich an die Zusammenarbeit zwischen Ministerpräsidenten Karl Grosz und Vizekanzler und Außenminister Alois Mock im Zusammenhang mit dem Papstbesuch im Burgenland 1988 und 1989 als tausende Bewohner der DDR die Gelegenheit nutzten, ihr sozialistisches Paradies mit Duldung der ungarischen Regierung über die österreichisch-ungarische Grenze zu verlassen.

In dieser Zeit war mein Arbeitgeber, die Universale-Bau, sehr stark in der Errichtung und Modernisierung von Hotels in Budapest tätig. Zwischen 1975 und 1995 haben wir 13 Hotels gebaut bzw. modernisiert - beginnend mit dem Forum und Malev (dem späteren Atrium Hyatt). Deshalb war ich beruflich immer wieder in Budapest.

1988/89 beschloss Rotary International die rotarische Organisation in den bisher kommunistischen Staaten Osteuropas wieder zu aktivieren. Ungarn war das erste Land und es gab noch in der zu Ende gehenden kommunistischen Zeit zahlreiche Gespräche und Verhandlungen mit den Ministerpräsidenten Grosz und Miklos Nemeth.

Für unsere amerikanischen Freunde war von Anfang an klar, dass aufgrund der geschichtlichen Verbindungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie die beiden österreichischen Distrikte für den Restaurationsprozess in Osteuropa zuständig sein sollten. Unser Distrikt 1910 entwickelte sich zum weltweit größten rotarischen Distrikt und blieb das auch für längere Zeit.

Für Ungarn ermöglichte ein Zufall einen raschen Start für diesen Prozess. Unser Gründungsbeauftragter Paul Maillath-Pokorny, Präsident des österreichischen Handelsverbandes und Governor des Distrikts 1910, hatte lange in Ungarn gelebt und beherrschte Ungarisch in Wort und Schrift. Daher wurde er vom Weltpräsidenten zum Beauftragten für die Wiedererrichtung Rotarys in Ungarn und der Slowakei ernannt. Zu dieser Zeit war ich Präsident unseres Clubs und bekam den Auftrag: gründe einen neuen Club in Budapest! Wir beschlossen, diesen Budapest-Duna zu nennen.

Es gab bereits eine Anzahl Budapester Bürger, die bei der Gründung dieses Clubs mitwirken wollten. Ich traf mich mehrmals mit diesen - soweit erinnerlich im Roszadomb Etterem - und bald begann ein neuer Club zu entstehen. Keineswegs so einfach wie eine Clubgründung heutzutage ist. Niemand hatte Erfahrung - am wenigstens offensichtlich das europäische Rotary-Büro in Zürich, das eigentlich für diesen Prozess zuständig war. Und so wurde es ein mühevoller Weg. Die künftigen Mitglieder mussten über Wunsch der Amerikaner durch den CIA und Secret Service hinsichtlich ihrer politischen Gesinnung und Vergangenheit gründlich geprüft werden. Aber 1990 war es soweit - das langersehnte grüne Licht aus Evanston war da! Budapest-Duna war mit aktiver Mithilfe einer großen Anzahl von Freunden unseres Clubs geboren. Bereits im Herbst 1989 besuchte eine größere Anzahl unserer Mitglieder samt Begleitung Budapest und viele persönliche Kontakte und Freundschaften wurden geknüpft. Zur

inoffiziellen Charter 1990 organisierte unser Club eine Puszta-Reise nach Ostungarn - gemeinsam mit zahlreichen Freunden von Köln-Römerturm und Gstaad-Saanenland, die in Budapest bei der Charterfeier endete. Unsere Abordnung hatte mehr als 50 Mitglieder. Die offizielle Charter für einige ungarische Clubs unter Einschluss von Budapest-Duna war erst 1991, da der Weltpräsident, der Ungarn in diesem Jahr besucht hat, sich die Charter vorbehalten hat.

Einige ungarische Freunde hatten in dieser schwierigen Gründungszeit große Verdienste. Neben dem ersten Präsidenten Bertalan Tamas und Windisch Stefan, beide besonders aktiv in der Gründungszeit, fallen mir noch die Freunde Ferency Emil und Miklauzic Stefan ein, die ebenfalls sehr viel zum Entstehen des Clubs aber auch zum Wiederaufbau der rotarischen Organisation in Ungarnbeigetragen haben.

In den ersten Jahren seines Bestehens ist unser Kind sehr stark und erfolgreich gewachsen und wir haben immer wieder Kontakte in Wien und auch Budapest - sowohl auf Club- als auch Privatebene - gehabt. Von Anfang an waren unsere ungarischen Freunde sehr einfallsreich und fleißig bei der Entwicklung und Durchführung von Projekten - nicht nur durch Einsatz von Geldmitteln, die zu Beginn immer Mangelware waren, sondern auch durch einen sehr engagierten persönlichen Einsatz. Sie haben stets von Beginn an ihr Bestes zur Umsetzung der rotarischen Idee gegeben. Im Laufe der Zeit haben die Kontakte in ihrer Intensität allerdings sehr nachgelassen und haben nur mehr zu öffentlichen Anlässen (Charterfeiern) kamen kleinere Abordnungen nach Budapest und Wien. Erst vor zehn Jahren begann der Kontakt wieder intensiver zu werden. 2011 (20. Charterfeier) hatten 13 Freunde unseres Clubs und viele Freunde von Budapest-Duna die Möglichkeit, ein sehr schönes und familiäres gemeinsames Wochenende in einem Ferienresort in Dunaszentmiklos zu verbringen. Der Gegenbesuch unserer ungarischen Freunde in Wien erfolgte 2012 und blieb längere Zeit unvergessen. 2016 besuchten wir Budapest anlässlich der 25-Jahrcharter und verbrachten schöne Tage im Hotel Gellert und erfreuten uns an einer professionellen Stadtführung durch ungarische Freunde und an einem hervorragenden Rahmenprogramm, das seinen Höhepunkt in der Aufführung eines Orchesterwerks des mittlerweile leider verstorbenen Budapester Clubmitglieds Miklos Rakos fand. Bei der Rückreise haben wir und ungarische Freunde noch die gemeinsame Geschichte bei einem Besuch im Schloss Gödöllö hochleben lassen.

Das war ein kurzer Rückblick. Ich hoffe, dass wir nunmehr die in der Gründungsphase und in den ersten Jahren so erfolgreiche und intensive Freundschaft - im Interesse beider Clubs - wieder beleben können und dass daraus auch wieder gemeinsame Projekte und viele persönliche Freundschaften entstehen werden. Die zwei Stunden Entfernung zwischen Wien und Budapest sollten kein Hindernis sein.

VIVANT, CRESCANT, FLOREANT RCRC Budapest-Duna und Wien-Donau IN AETERNAM!

 

 

 

 

 

Mitglieder

Aktive Mitglieder 85
- Herren 79
- Damen 6
Paul Harris Fellow 35
Gäste 4
Ehrenmitglieder 7
Andere Kontakte 1

Adresse

RC Wien-Donau

Hotel Regina, Rooseveltplatz 15
1010 Wien
Österreich

rcwien-donau@rotary.at